IFK Wien, 4.-6.6.2025
Vortrag von Brigitte Weingart bei der Tagung There’s a rumor going round…
»They’re eating the dogs, they’re eating the cats«: Wohlwollend formuliert, kann das Internet gegenwärtig als Raum gelten, an dem wahr/falsch-Unterscheidungen kollektiv (und mitunter KI-gestützt) prozessiert werden – kein Wunder, dass es als zentraler Schauplatz der Kommunikation von Gerüchten gilt (also unbestätigter Informationen, deren ›Bewahrheitung‹ oder eben Dementi noch aussteht).
Was sich im Abgleich mit den realexistierenden Gegebenheiten offline als Falschbehauptung, Lüge, Fake News erweist, kann online weiterhin auf eine kommunikative Karriere als Meme setzen. Als kreative Aneignungen medialer Versatzstücke, die rekombiniert bzw. kommentiert wieder in Umlauf gesetzt werden, sind Internet-Memes keinem Wahrheitsanspruch verpflichtet, eignen sich aber besonders gut, um ›gefühlte Wahrheiten‹ zu kommunizieren – oder sich aber darüber lustig zu machen. Mit Gerüchten teilen sie überdies jene epidemiologischen Eigenschaften, aufgrund derer beide als ›viral‹ gelten, wie ihre mitunter exponentielle Ausbreitung, die Tendenz zur Mutation und bisweilen auch ihr hartnäckiges Wiederauftauchen.
Der Vortrag nimmt diese Affinitäten und Unterschiede zum Ausgangspunkt, um nach den Potenzialen und Problemen zu fragen, um die Meme-Kulturen die Gerüchtekommunikation beerben, indem sie alternative Lesarten medialer Artefakte in Umlauf bringen, die in Konkurrenz zur offiziellen Berichterstattung treten. Dabei steht nicht zuletzt – und hier kommt, als vermeintliche ›Waffe der Ohnmächtigen‹, der Klatsch ins Spiel – das Ethos der Subversion zur Diskussion, das auch Meme-Kulturen häufig für sich reklamieren.
